„Du musst die Frage auch zu Ende stellen…“

Du hast bestimmt auch Wörter oder Sätze, denen Du eine große Bedeutung beimisst. Bei mir ist es die Überschrift des Beitrags. Diese hat mein Leben nachhaltig verändert. Ich habe die Situation noch lebhaft vor meinem inneren Auge.

Spielort der Begebenheit ist der kalifornische Yosemite-Nationalpark. Anstrengende 5,5 Kilometer Wanderstrecke lagen hinter mir, um an den obersten Punkt der Yosemite-Wasserfälle zu gelangen. Da stand ich nun an der obersten Spitze und mir fehlten die Worte. Die perfekten Worte! In der prallen Morgensonne hatte ich sie mir während des fünfstündigen Aufstieges zurechtgelegt.
Sie waren einfach weg. Ich stotterte mir vor einer spektakulären Aussicht Worte in den Bart. Meine zukünftige Frau erriet die Richtung in die mein Gestammel führen sollte und half mir lächelnd (oder eher schelmisch grinsend) mit den Worten „Schatz, Du musst die Frage auch zu Ende stellen…“ auf die Sprünge.

Natürlich hat das Beenden der Frage zu einer Hochzeit, Gründung einer fünfköpfigen Familie und vielen anderen wundervollen Erlebnissen geführt.

Dennoch hat diese Situation am Gipfel des Wasserfalls meine Perspektive geändert. Eine einfache Frage, deren ungewisse Antwort das weitere Leben verändern kann.
Rückblickend weiß ich, dass ich vor der Antwort Angst hatte. Mir war klar, dass sich durch diese Antwort mein Leben so oder so verändern würde.

In meinen Coachings geht es häufig um ähnliche Situationen. Nein, keine Heiratsanträge, sondern Situationen, in denen sich die Coachees unbewusst manche Fragen nicht stellen, da Sie zu sehr Respekt vor den Antworten haben. Das findet unbewusst statt. Sie haben Angst vor den Konsequenzen. Angst davor nicht den Mut zu haben die Antwort auch in die Realität umzusetzen.

In vielen Situationen ist diese Angst jedoch unbegründet, wie man zweifelsfrei auch in meinem Beispiel erkennen kann. Die Fragestellung bringt einen an den Rand der geliebten Komfortzone! Hier fühlst Du Dich wohl. Alles ist bekannt und gemütlich. Es ist gut so wie es ist. Du fühlst Dich einfach sicher! Aber ist es das wirklich? Was ist der Vorteil, wenn Du Dich nicht bewegst und auf der Stelle stehenbleibst?

Den inneren Schweinehund vom Schoß schieben und vom Komfortzonen-Sofa aufstehen fällt schwer. Zunächst behauptest Du, dass Du diese Frage gar nicht beantworten musst. Du verleugnest sie einfach. Hierauf folgt oftmals die Wut auf Dich selbst, dass Du nicht den Mut für Veränderung aufbringst. Bist Du so sehr genervt von der Situation tritt schließlich der Punkt ein, wo Dir alles egal ist und Du die Frage einfach akzeptierst und sie stellst.

So oder so ist jede Antwort ein Schritt in neue Gefilde, der Entwicklungszone. Ein unbekanntes Terrain wo Du Dich neuen Situationen aussetzt und etwas Neues kennenlernen kannst. In den meisten Fällen stellen sich jene Fragen und Antworten als Geschenk heraus.

Das Verlassen der Komfortzone kannst Du trainieren. Je häufiger Du Dich dem Wandel stellst, desto leichter fällt Dir dieser Schritt.
Welche Frage bzw. Antwort hat Dich das letzte Mal Deine Komfortzone verlassen lassen?

3 Kommentare zu „„Du musst die Frage auch zu Ende stellen…““

  1. O ja, ich kenne das auch. Die Komfortzone fühlt sich manchmal zu gut an und dann ist alles außerhalb so beängstigend. Aber wenn wir da nicht rausgehen, können wie nicht da hin, wo die Magie ist. Diesen Artikel hier fand ich vor Jahren ziemlich gut. Einfach mal Sachen machen, die man noch nie gemacht hat. Sehr kraftvoll: https://www.impulse.de/management/selbstmanagement-erfolg/komfortzone-verlassen

    Schön, dass du bei der Blognacht dabei warst, lieber Sebastian!

  2. Pingback: Blognacht Vol. 15: Mehr als Worte

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